Was uns motiviert

Dazu ein paar Gedankenfetzen, die ein Schauspieler bei den Proben und der Aufführung hat: 
..."Die Kollegen nerven - alles nervt. Zwei bis dreimal die Woche in den letzten Monaten zusammen auf den Proben. Uff...die Spässchen, wenn jemand seinen Text nicht weiß oder eine Schauspielsituation komisch interpretiert findet keiner komisch! Irgendwie ist keinem mehr zum Lachen zu Mute. Warum bekommt mein Szenenpartner diesen einfachen Satz nicht hin? Wo bleiben eigentlich die Requisiten? Wenn man nicht alles selber macht!
Und wenn mich jetzt noch einmal jemand fragt, wo ich meinen Hut gelassen hab, werd ich zum Tier!
Generalprobe - miserabel - na, Gottseidank! 
Je schlechter die Generalprobe, desto besser die Aufführungen - meistens jedenfalls.
Die Premiere ist immer etwas besonderes. Ich seh blasse Gestalten mit ihrem Textbuch in den feuchten Händen durch die Gänge der Turnhalle wandeln. Zimmerecken verwandeln sich in verhasste Gegner die beschimpft oder angebrüllt werden müssen oder in das Objekt der Begierde, das man umgarnt.
Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und ich möchte auch nicht angesprochen werden --- Lebensgefahr!
Jetzt kommt Hektik auf - die letzten Handgriffe, das Kostüm noch einmal zurechtzupfen. Die ersten Zuschauer kommen schon! Ich hätte nie gedacht, dass es so viele werden. Nochmal in die Maske!
Soll ich noch was essen? Nein, lieber einen Schnaps oder zwei.
Die Halle füllt sich und dann steh ich wieder draussen im Scheinwerferlicht. Mein Körper pumpt große Mengen Adrenalin in meine Adern. Ich werd doch nicht kneifen?
Nein! Du sprichst deinen ersten Satz ins Publikum und alles ist gut.
Lampenfieber weg, Nervosität wie weggeblasen. Ich spiele meine Rolle. Und bei jedem Szenenapplaus leb ich auf und weiß wieder warum ich mir das angetan hab.
Weil, wenn dich das Theatervirus erst einmal infiziert hat, es nichts Schöneres gibt auf der Welt, als mit guten Freunden auf der Bühne zu stehen, in ein anderes Ich zu schlüpfen und den Leuten da unten Freude zu bereiten. 
Nach jeder Aufführung bin ich fix und fertig, aber auch überglücklich es geschafft zu haben. Jetzt noch zwei Aufführungen dann ist wieder Schluß mit Theater, ein ganzes Jahr.
Leider!